| Hermia Szabo-Beuchert - Malerei und Lichtkinetik
Als die Malerin und Bildhauerin Hermia Szabo-Beuchert am 27. Oktober 2005 in Erlangen starb, erschütterte ein tiefes Erschrecken die vielen Freunde der Künstlerin und ihres Schaffens, hatte doch niemand mit einem so jähen Schlusspunkt gerechnet. Das sie schwer erkrankt war, überspielte sie mit einer fast hektisch anmutenden Aktivität, mit der sie bis zuletzt eine Fülle von Projekten vorantrieb. Vielleicht hatte sie gespürt, dass ihr nur noch wenig Zeit blieb, ihre kreativen Ideen zu realisieren. Sie hatte in den letzten Jahren ihre selbst entwickelten Licht-Großprojektionen bei spektakulären Kunstaktionen eingesetzt,die Tausende Zuschauer in ihren bann zogen. Dabei verwandelte sie die vertraute Landschaft mit Bauten und Bäumen zu einer dreidimensionalen Bühnenkulisse für bewegende Gemälde, Skulpturen und Ornamente. Aus ihren zweidimensionalen wurden plastische Bilder, die in Verbindung mit dem wechselnden Hintergrund einen besonderen Reiz gewannen. Unter dem Titel "Sahnehäubchen - 32 Ampere Drehstrom" realisierte sie ihr außergewöhnliches Lichtprojekt erstmals beim Erlanger Poetenfest 2003 und seither mehrfach bei anderen Anlässen und an anderen Orten stets mit außerordentlich großem Publikumserfolg. Drei mal illuminierte sie beim Poetenfest. Sie schrieb übrigens auch selbst literarische Texte.
Unter den Erlanger Kunstschaffenden war "Hermia" ein unübersehbarer Paradiesvogel, der es trotz seiner "exotischen" Herkunft verstanden hatte, mit der fränkischen Wesensart bestens zu Recht zu kommen. Sie stammte aus Ungarn, wo sie am 25. Januar 1954 in Budapest als Tochter des Kunstmalers Sandor Szabó (1923-1986) zur Welt kam. Nach dem Besuch des Kunstgymnasiums (1968-1972) studierte sie Malerei, Bildhauerei und Goldschmiedekunst an der Akademie der bildenden Künste ihrer Vaterstadt (1973-1978). Im Jahr nach der Erlangung des Abschlussdiploms übersiedelte sie 1979 in die Bundesrepublik Deutschland und nahm ihren Wohnsitz in Erlangen, wo sie 1981-1983 eine eigene avantgardistische Galerie für Kleinplastik und Schmuck betrieb. Dann wandte sie sich neben ihrem freien künstlerischen Schaffen der Lehrtätigkeit zu; sie wirkte als Dozentin für Goldschmiedekunst am Bildungszentrum Nürnberg (1985-1994) und als Kursleiterin für Zeichnen, Malen und Grafik an der Volkshochschule Erlangen (1989-1999). Der künstlerischen Mitwirkung an der Internationalen Vierteljahresschrift für Dichtung und Originalgraphik "Spektrum", Zürich (1987), folgten später gelegendlich weitere Buchillustrationen. Schließlich zog sie mit ihrer Familie nach Rathsberg, Gemeinde Marloffstein, wo sie ihre ständige "Kleine Galerie" zur Präsentation ihrer Arbeiten unterhielt.
Hermia Szabo-Beuchert war eine vorzügliche Zeichnerin, die mit Bleistift, Tusche, Kohle und Kreide in kleinformatigen Skizzen vor der Natur aber auch großformatigen, farblich verstärkten Studien die verschiedensten Themen aufgriff und wiedergab. Die leuchtende Farbenpracht ihrer Landschaftsbilder, Frauenakte und Porträts weist sie als eine Nachfolgerin der französischen Avantgarde des späten 19. Jahrhunderts aus.
Hermia Szabo-Beuchert konnte ihre Werke in zahlreichen Ausstellungen in Bayern, aber hin und wieder auch im Ausland vorstellen. Die letzte wichtige Einzelausstellung in Erlangen erfolgte 2002 in der Neuen Galerie des Kunstvereins.
Die starke Persönlichkeit, die Hermia Szabo-Beuchert verkörperte, trat den Menschen offen, freundlich und hilfsbreit, aber, wo es sein musste, auch kritisch entgegen.
Der Abschied von dieser außergewöhnlichen Künstlerin vollzog sich in ungewohnter Weise: Niemand trug schwarz; in der Feierhalle hingen bunte Luftballone. Angehörige und Freunde erinnerten sich. So hätte sie es sich gewünscht.
Johann Adam Stupp
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