Mit solchen Menschenmassen geschätzten 30 000 hatte Hermia Szabo-Beuchert bei der Präsentation ihrer Lichtinstallation „Der Berg leuchtet“ nicht gerechnet. Völlig erschlagen stand die clownesk gekleidete Ungarin im Gedränge, während Manager Roger nach dem im Fußgängerstau stecken gebliebenen Techniker fahndete wodurch sich die geplante Errichtung der bunten Wasserwand dann auch verzögerte.
Gemächliches Flanieren durch die romantisch illuminierte Baumallee zwischen den Kellern war dank des bier- und feierseligen Andrangs schlicht nicht möglich und die Dekomuster auf dem Weg sah man erst beim allerletzten Bummel nach Ende der zweistündigen Veranstaltung, als die Massen abgezogen waren.
Zum Glück lag der Schwerpunkt der Installationen jedoch auf Höhe der Kellerbühnen: Eine clevere Werkschau der in Marloffstein lebenden Malerin zog sich an Bäumen, Zäunen und Bierbänken entlang, durchleuchtete Zwischenräume und transformierte den Burgberg zum Bildgrund für ein Gesamtkunstwerk. Aquarelle leuchteten auf Leinwänden, Porträtkarikaturen zierten einen Biergarten und rotierende Kringel huschten durchs Gebüsch sowie über die Körper der Passanten hinweg.
„Mehr Event!“
Einige kreischten lauthals nach „mehr Event!“, aber es handelte sich nun mal um eine locker über einzelne Bergstationen verteilte und zu erwandernde Kunstausstellung, von der Stadt in Auftrag gegeben und von der Kulturstiftung Erlangen subventioniert. Zehn Grad mehr hätten es schon sein dürfen für ein Open-Air: Doch Franken wie Siemensianer kennen keinen Schmerz alle waren da, vom OB bis zum Kleinkind, das beim Anblick der am Himmel schwebenden Heliumballons weise krähte: „Papa, der Mond ist auch ein Lampion!“ Weitere Aahs und Oohs löste die fächerförmig ausgerichtete und mit wechselnden Diaprojektionen bebilderte Mega-Wasserwand auf Höhe des Riesenrades aus.
Wasser mitgebracht
Unterhalb des Berggeländes stand unbeachtet ein Feuerwehrauto, von dem der ganze Zauber ausging. Mittels Schlauch wurden die herkömmlichen drei auf 13 Bar für eine veritable Wasserwand erhöht solche Wasserwände dienen eigentlich dem Schutz von Nachbargebäuden in einem Brandfall.
Ebenso mittig wie ungünstig über dem „T“ platziert gab indes Willi Dentler mit seiner Band „Rain in the face“ ein solides Rockkonzert das hauptsächlich en passant wahrgenommen wurde, weil die meisten erst nach rechts zur Wasserwand und dann nach links zum bewirtschafteten Entla’s Keller strebten . . .
Falls an diesem Tag halb medical valley ein wenig erkältet sein sollte: auch die zwölf Unikliniken müssen leben und bis zum „Berchanstich“ sind sicher alle wieder fit.
Erlanger Nachrichten 25. April 2005, Natalie Bost
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