Nachruf und Gedanken an Hermia
Bilder puren Lichtes
Hermia Szabo-Beuchert
war eine kreative Künstlerin
Eine Künstlerin, die alles, was ihr „zu-fiel“, persönlich nahm und stets nach dem Warum fragte, war Hermia Szabo-Beuchert, die letzte Woche nach langer schwerer Krankheit eingeschlafen ist. Fast 25 Jahre lebte die ungarische Malerin und Bildhauerin mit Gatte und Manager Roger in Rathsberg-Marloffstein. Ihre Wahlheimat Erlangen schätzte sie, weil sie die eigentümliche Mischung aus Kleinkariertheit und Laissez-Faire an dem Hugenottenstädtchen liebte. Ein schönes Ritual: Am Samstagmorgen war die Familie auf dem Erlanger Bauernmarkt anzutreffen und bildete mit Bekannten gerne eine zwanglose Kaffeerunde in einem der nahen Cafés, der Plausch als freundschaftliche Nähe.

Ganz „en famille“

Wer mit Hermia Szabo-Beuchertin ein längeres Gespräch geriet, wurde unfehlbar noch in ihr gemütliches Hexenhäuschen mit Katz’ und Hund nach Rathsberg eingeladen, das gleichermaßen als Familienheim, Dauergalerie und Künstlerwerkstatt fungierte — wobei Zeit nie eine Rolle spielen durfte.

Am stolzesten war der mit Vorliebe in farbenprächtige Rot- und Violetttöne gewandete Rotschopf auf den mittlerweile 19-jährigen Sohn Tobias, der sich nach Belieben in die Künstlerrunden integrierte.

Ehemann Roger fungierte als Oase der Gelassenheit, ein Gegenpol zum überschäumenden Temperament der aus einer Budapester Künstlerfamilie stammenden Hermia. Er trug dazu bei, dass die Malerin jene stets „präsente „Kreativenergie, zu der echte Künstler verdammt sind“, in für sie wichtige Kanäle leitete; so Roger: „Ein selbstständiger Künstler, der Eigenverantwortung übernimmt, ist Triebfeder, Kritiker und Kontrolleur seines Werkes in einem. Hermia war eine starke Persönlichkeit, die immer aus dem vollen schöpfte und sich dabei in keiner Weise schonte.

Stets für Innovation

Ihr Ideal war das Aufzeigen innovativer Wege, um der Gesellschaft Möglichkeiten zu mehr Gerechtigkeit und Eigenverantwortung sowie dem Individuum zu zeigen, wie man das Leben lebenswerter gestalten kann . . .“ So waren auch ihre „Sahnehäubchen“ gedacht: Die Trilogie bunter Licht- und Toninstallationen bei den vergangenen Poetenfesten sollte dem Betrachter pure Glücksmomente verschaffen, in denen er sich loslassen und ohne Hintergedanken nur genießen konnte.

Auch der „leuchtende Berg“ mit seiner bebilderten Wasserwand zog die Zuschauermassen an. Doch seine an sich verletzliche Frau konnte „um der Sache willen“, wie Roger anmerkt, „auch provokativ und sogar boshaft werden“ — wenn sie das Gefühl hatte, ein Künstlerkollege oder Malschüler brauchte einen aufmunternden Tritt, um nicht in Lethargie oder Selbstmitleid zu verfallen: „So hat sie sich nicht gescheut, einige Leute vor den Kopf zu stoßen, doch dabei ging es ihr nicht um sich, sondern um Hilfestellung für deren Entwicklung — sie war immer geradeheraus ehrlich, und deswegen sind wirklich alle herzlich zu ihrer Gedenkfeier am kommenden Donnerstag um 15 Uhr ins Bestattungshaus Utzmann eingeladen.“ (Marie-Curie-Str. 40).

Die Internetseite www.hermia.de bleibt bestehen und wird weiterhin aktualisiert. Es wird weiterhin Ausstellungen in der Treppenhausgalerie geben und künftige Lichtinstallationen sind geplant. Hermia trat für ein Zusammenwirken verschiedener Künstler ein, um Innovationen in der Kunst zu kreieren (ihr Vorbild waren die Bauhaus-Künstler, deren Vereinigung das 20. Jahrhundert nachhaltig zu prägen vermochte . . .).

Der Erlanger „Bildner“ Erich-Stephan Wrobel, in dessen toskanischer Künstlerkolonie Hermia mit italienischen Bildhauern freundschaftlichen Austausch pflegte, wird ihr Schaffen bei der Gedenkfeier würdigen. Der Sänger und Gitarrist Willi Dentler gestaltet den musikalischen Ablauf.

“...bloß nicht in Schwarz“

„Es soll bloß keiner in Schwarz kommen und in Beileidsbezeugungen ausbrechen, alle bunt und lebensbejahend“, so Rogers Bitte an die Geladenen, „Hermia würde das nicht mögen und statt Blumen wäre ihr, die immer Gastfreundschaft pflegte, eine finanzielle Unterstützung der Erlanger Tafel wesentlich lieber.“ Die Trauergemeinde wird es verstehen — das sollte sich doch machen lassen, um einer liebenswerten und originellen Erlanger Künstlerin beim einem letzten Gruß gerecht zu werden. NATALIE BOST
Erlanger Nachrichten, 31. Oktober 2005